Bodypainterin Elisabeth Mader hat auf der Frankfurter Buchmesse ihr Buch „Vom Sehen zum Fühlen – Wie Bodypainting helfen kann, den Blick auf dich selbst zu verändern“ präsentiert. Wir haben mit der gebürtigen Rieder, die heute im Wuppertal lebt, gesprochen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Buch zu schreiben?
Mader: Ich beobachte seit Jahren, wie sich Menschen unter meinen Pinseln und ganz speziell beim Blick in den Spiegel verändern. Ich habe viele solcher Momente miterlebt und erstmal nur für mich selbst festgehalten. Erst als sich die Muster wiederholten, begann ich zu forschen, ob es psychologische Hintergründe gibt, die meine Beobachtungen untermauern und wurde fündig. So entstand die Idee, diese Erlebnisse zu teilen und den psychologischen Hintergrund, was ein Bodypainting in einem Menschen bewegen kann, zu durchleuchten.
Welche Reaktionen gab es bisher darauf?
Die Reaktionen bisher sind unglaublich. Ich bekomme viele Nachrichten von Menschen, die sich selbst erkennen und ihre eigenen Kämpfe mit Unsicherheiten und Selbstwahrnehmung realisieren. Als ich auf der Frankfurter Buchmesse mein Buch offiziell vorstellte und zum ersten Mal daraus vorlas, sah ich, dass viele Zuhörer Tränen in den Augen hatten. Das hat mich zutiefst berührt und mir erneut gezeigt, wie sehr dieses Thema die Menschen bewegt.
Wie trägt Bodypainting zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper bei?
Bodypainting kann Menschen helfen, sich selbst auf eine neue Weise wahrzunehmen. Die üblichen Bewertungen wie beispielsweise „ich bin zu dick“ „ich hasse meinen Bauch“ „so gern wär ich diese Narben los“ verschwinden. Bereits während des Malens selbst kommen viele zur Ruhe. Dazu kommt der Mut, sich zu zeigen. Zu dieser Ruhe und die haptischen Berührung durch meine Pinsel kommt noch etwas Wesentliches hinzu: Wir begegnen anderen Menschen generell sehr viel wohlwollender als uns selbst. Das Bild des bemalten Ichs im Spiegel ist so weit weg von meinem „Normal“, dass man bis zu einem gewissen Grad auch jemand anderen betrachtet. So vermischen sich Fühlen, Neugier und Wohlwollen zu einer Faszination, die es möglich macht, den eigenen Körper mit neuen Augen zu sehen.
Wie und wann sind Sie zum Bodypainting gekommen?
Ich habe 2012 die Ausbildung zur Makeup Artist absolviert, die sich vor allem auf klassisches BeautyMakeup konzentrierte. Mich zog es jedoch schnell in Richtung Spezial Effekte, Wunden, Horror-Make-Ups und allem, was über das Gewöhnliche hinausging. Als ich die ersten Berichte vom World Bodypainting Festival in Kärnten gesehen habe, war ich sofort Feuer und Flamme und sah eine neue Welt der Kreativität. Ich belegte Kurse bei verschiedensten Künstlern, nahm an Wettbewerben teil und entwickelte meinen eigenen Stil. Seit 2016 arbeite ich unter dem Namen „BlackCat – BodyArts“ und verbinde Bodypainting mit Kostümteilen und inszenierten Fotoshootings zu einer besonderen Form der Körperkunst, die weit über das reine Bemalen hinausgeht.




Gibt es Techniken, auf welche Sie sich spezialisiert haben?
Zu Beginn habe ich ausschließlich mit Pinseln gearbeitet. Im Laufe der Zeit habe ich jedoch meine Technik erweitert und kombiniere nun gezielt Airbrush- und Pinsel-Techniken, je nach Effekt den ich erzielen möchte.
Zählen eher Models, die für verschiedene Anlässe gebucht werden, zu Ihren Kund:innen, oder gibt es auch Personen, die sich für private Zwecke painten lassen?
Ich arbeite sowohl mit professionellen Models im Rahmen von Werbeaufträgen, als auch mit Privatpersonen für individuelle Projekte.



Sie haben 13 Jahre Erfahrung auf diesem Gebiet. Wie hat sich Ihre Arbeit in dieser Zeit verändert?
Anfangs waren Makeup und Bodypainting für mich primär künstlerische Ausdrucksmittel, also eher weitere Werkzeuge, um die Bilder in meinem Kopf zum Leben zu erwecken. Über die Jahre hinweg hat sich meine Motivation grundlegend gewandelt: Heute arbeite ich viel stärker mit dem Ziel, den Menschen ein besonderes Erlebnis zu schenken, anstatt ausschließlich meine eigenen Ideen zu verwirklichen.
Wie lange dauert im Durchschnitt ein komplettes Bodypainting?
Wenn ich schnell bin, brauche ich 90 Minuten, um einen kompletten Körper farblich zu gestalten. Realistisch sind jedoch eher zwei bis drei Stunden und je nach Komplexität durchaus mehr. Oft werden bei Fotoshootings auch nur die Vorderseite oder nur der Oberkörper bemalt, was die Zeit entsprechend verkürzt. Im Gegensatz zu straffen Taktungen bei Werbeaufträgen mit großem Team im Hintergrund, setze ich bei Aufträgen mit dem Fokus Selbstwahrnehmung und Erleben gern einen kompletten Tag an, um eine entspannte Atmosphäre zu schaffen.





Ihr Label heißt „BlackCat-BodyArts“. Warum BlackCat?
Irgendwie begleiten mich Katzen schon ein Leben lang. Schon als Kind war fasziniert von Katzen. Sie sind elegant und leise. Sie beobachten, sind kuschelig weich und können tödliche Jäger sein. Eine Katze lässt sich nicht gern einsperren, hat einen eigenen Kopf und setzt klare Grenzen. Du kannst eine Katze schwer zu etwas zwingen, doch du kannst sie überzeugen und eine wundervolle Verbindung aufbauen, wenn du versuchst, sie zu verstehen. In vielerlei Hinsicht sehe ich mich da selbst wieder. Und „Black“ erklärt ein Blick in meinen Kleiderschrank, wobei der auch langsam etwas farbenfroher wird.
Sie wurden in Ried im Innkreis geboren und sind hier aufgewachsen? Kommen Sie noch öfter in Ihre Heimatstadt zurück, vl zu Weihnachten?
Ich bin in Ried im Innkreis geboren und aufgewachsen und dann nach der Matura nach Düsseldorf gezogen, um zu studieren. Ich komme gerne nach Hause, auch wenn das mittlerweile leider eher selten der Fall ist.

Artikel in der Printausgabe „Mein Bezirk – Ried“ November 2025
